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Das Schöne im Alter
Schönheit

Die vorherrschende Vorstellung von Ästhetik sollte erweitert werden um das Schöne, das sich auch oder sogar besonders bei älteren Menschen findet.


Schönheit und Alter

12.Februar 2007  | Kommentieren

Homo bene figuratis
nach Leonardo da Vinci

Zugegeben, mein Interesse an diesem Thema erwächst aus einer gewissen eigenen Betroffenheit. Jawohl, gewisse Altersmerkmale sind einfach nicht zu übersehen. Jedenfalls kann ich in entsprechenden Formularen unter Beruf bereits "Rentner" eintragen und unter Familienstand "Großvater". Das bringt eine betrübliche Erfahrung mit sich: Ein alter Mensch wird einfach nicht mehr so gerne gesehen und gesellschaftlich in die Randgruppe der häßlichen Alten abgeschoben.

Das Alter gilt als das Ende der Schönheit. Das Alter - der alte Körper - wird aus dem allgemeinen Ästhetikverständnis ausgeschlossen, in dem der naturgemäße Verlust von Jugendlichkeit durch den biologischen Alterungsprozeß mit dem Verlust von Schönheit gleichgesetzt wird. (www.aesthetik-des-alters.de von Uta Tschirge, 1999)
Diese Situation wird durch die stattfindende demografische Entwicklung noch verschärft. Erstens leben wir Menschen immer länger, d. h. wir werden immer älter, und zweitens wird der Nachwuchs spärlicher, so daß der Anteil der Alten an der Gesamtbevölkerung dramatisch zunimmt, und die Alten sich von einer problematischen Randgruppe zu einem gesellschaftlichen Kern entwickeln werden. Damit müßte es dieser Gruppe auch möglich sein, mehr Einfluß auszuüben, und die althergebrachte Diskriminierung des Alters abzuschaffen.
Wir müssen zunächst der Diffamierung des Alters den Krieg erklären (Frank Schirrmacher, Das Methusalem-Komplott, S. 33, 2005)
Dazu gehört besonders, das Vorurteil "nur Jugend ist schön" und das darauf basierende Verständnis von Ästhetik zu korrigieren, indem wir auch am Alter etwas Schönes entdecken und bewußt machen. Das ist sicher nicht so leicht, aber durchaus möglich.
Die alltägliche Definition von Ästhetik ist heute stark auf Äußerliches und Körperliches bezogen. Diese Definition gilt es zu erweitern und auch geistige und soziale Aspekte einzubeziehen. Entsprechend zeigt die obenstehende Grafik, daß auch der alte, "häßliche" Körper durchaus die Vorstellungen von Wohlproportioniertheit, wie sie von Leonardo dargestellt wurde, erfüllt.


DOVE-Kampagne pro-age
Eine Werbekampagne in diesem Sinne führt zur Zeit die Firma Unilever für ihre Marke DOVE durch. Mit dem Slogan "Schönheit kennt kein Alter" wird dafür geworben, daß zumindest Frauen in jedem Alter schön sind:
Es sollte keine Frau das Gefühl haben, daß Älterwerden etwas Negatives ist. Ganz im Gegenteil: Es ist an der Zeit, sich schön zu fühlen und stolz auf sich zu sein - in jedem Alter. Diese Philosophie ist der Kern der neuen Dove Kampagne pro-age , die ein Umdenken in der Gesellschaft forcieren möchte - denn Schönheit kennt kein Alter.
Dieser vorbildlichen Kampagne tut es keinen Abbruch, daß dabei auch ein kommerzieller Zweck verfolgt wird, nämlich Werbung für entsprechende Körperpflegeprodukte zu machen.

Unsere Gesellschaft braucht mehr solcher Aktionen. Auch ich möchte dafür plädieren, mehr Schönes und Wertvolles an älteren Menschen zu entdecken und bewußt zu machen.


Anna Gieschen geb. Gehrke,
meine Großmutter mütterlicherseits
Vielleicht darf ich beginnen mit der Erinnerung an eine Frau, die in meiner Vorstellung der Inbegriff von Güte und Freundlichkeit war - mit meiner Oma. Ich habe als Junge nach dem letzten Krieg einige Jahre in ihrem Hause gelebt.
Sie hat bestimmt ein arbeitsreiches Leben gehabt, fünf Kinder großgezogen und ihren kranken Mann, meinen Großvater, gepflegt und ein altes Haus und einen großen Garten versorgt.
Ich kannte sie nur mit einer Kittelschürze gekleidet, mit schon etwas gebeugtem Rücken, auf ihrem Schoß immer Gemüse oder Obst zu putzen oder etwas zu stopfen oder zu flicken, und darüber leuchtete ihr Gesicht, mit in der Mitte gescheiteltem Silberhaar und einem Knoten im Nacken.
Sie hat mir nicht ein einziges Mal ein unfreundliches Wort gesagt oder jemals einen Vorwurf gemacht (obwohl zweifellos des öfteren dazu Anlässe vorhanden waren). Sie war still und bescheiden, und dabei strahlte sie einfach von innen her - ein mildes Licht wie in einer Vollmondnacht, aber mit einer Wärme wie die Sonne selbst. Für mich ist sie immer noch die liebenswürdigste Frau in meinem Leben.

Hier handelt es sich offensichtlich um einen Fall von gefühlter Schönheit anstatt der üblichen "gesehenen" Schönheit.
Vielleicht kennen Sie auch jemanden, der Sie ähnlich beeindruckt hat?