Schwer auszusprechen

Sie kennen das sicher auch: Sie wollen einem Geschäftspartner oder Bekannten mitteilen, bei welcher Firma Sie sind. Sie sagen also: Ich bin bei der Firma "Union Deutsche Lebensmittelwerke GeEmBeHa" ... Meistens wiederholen Sie es noch einmal, weil Ihr Partner etwas verwirrt blickt oder Sie geben es auf und sagen: Ich bin bei Unilever. Es ist erstaunlich aber leider eine Tatsache, daß die wenigsten in der Lage sind, sich diesen Namen zu merken oder ihn richtig wiederzugeben. Wenn Sie später Post von Ihrem Geschäftspartner erhalten, gibt es viele Möglichkeiten, wie die Firmenanschrift aussieht (nur die richtige Möglichkeit ist selten dabei) wie z.B.

Wir haben diesen Firmennamen nun schon 15 Jahre und an diesen Schwierigkeiten hat sich eigentlich nichts geändert. Sicher, ich habe schon verstanden, daß unsere Firmenpolitik unsere Markennamen in den Vordergrund stellt und die Firma dahinter etwas zurücktritt. Aber hätte es denn gleich ein Firmenname mit der stattlichen Länge von 15 Silben sein müssen, der aus einer Aneinanderreihung von wenig markanten Begriffen besteht?

Nehmen wir z.B. den Begriff "Union". Ein häufiger verwendeter Name, vom Bestattungsbedarf bis zu einer bekannten politischen Partei, alle nennen sich "Union".

Oder der Begriff "Deutsche". Ein patriotisches Attribut, allerdings in Deutschland nicht so wichtig, weil hier sowieso das meiste deutsch ist. International bringt es eigentlich auch nicht viel, weil unsere Schwesterfirmen weit davon entfernt sind, sich etwa "Niederländische Lebensmittelwerke" oder "Britische Lebensmittelwerke" zu nennen und die eindeutige Kennzeichnung unserer Firma über das Kürzel "UDL" erfolgt und zur Unterscheidung von anderen Konzernfirmen das Wörtchen "Deutsch" nicht notwendig ist.

Der nächste Begriff in unserem Namen ist "Lebensmittel". Hiermit wird zum Ausdruck gebracht, daß wir beileibe nicht mehr in einem einzigen Produktfeld wie Pflanzenfette/Margarine tätig sind sondern in einem viel größeren Bereich des Marktes. Vielleicht soll auch angedeutet werden, daß wir unsere Produkte nach der Rangordnung von Prof. Kollath zu den biologisch höherwertigen "Lebensmitteln" und nicht nur zu den gesundheitlich weniger wertvollen "Nahrungsmitteln" zählen möchten.

Doch noch nicht genug, in unserem Namen folgt noch das schöne Wort "Werke". Für mich klingt das irgendwie fromm, und es verbindet sich damit die Hoffnung, daß Segen auf unseren "Werken" ruhen möge. Vielleicht ist es aber auch nur ein etwas feinerer Ausdruck für "Fabriken", und wir bringen damit gleichzeitig zum Ausdruck, daß wir nicht nur über eine, sondern über mehrere Produktionsstätten verfügen.

So allgemein verbreitet die einzelnen Begriffe im Firmennamen sind, so ungewöhnlich ist die grammatische Konstruktion. Geläufige Konstruktionen wären etwa

a die "Union" als Hauptbegriff am Ende mit den erklärenden Begriffen vorangestellt
= Deutsche Lebensmittelwerke - Union
b die "Union" als Hauptbegriff am Anfang mit nachgestelltem Genitiv für die erklärenden Begriffe
= Union Deutscher Lebensmittelwerke.

Die in unserem Firmennamen konkret verwirklichte Konstruktion setzt eigentlich voraus, daß der Name, wie auf den Briefköpfen, in zwei Zeilen dargestellt wird, wie

Union
Deutsche Lebensmittelwerke GmbH.


Grammatisch sind das zwei voneinander unabhängige Begriffe, die entweder typografisch voneinander abzusetzen sind oder aber, wenn sie als fortlaufender Text erscheinen, mit Komma zu trennen sind

= Union, Deutsche Lebensmittelwerke GmbH.

Ich fürchte jedoch, auch diese grammatische Korrektur würde in der Praxis den Umgang mit unserem Firmennamen nicht erleichtern.

Als Mitarbeiter dieses schwer ausprechlichen Unternehmens hat man es halt nicht leicht. Ein schwacher Trost liegt vielleicht darin, daß so ein Firmenname selten für die Ewigkeit gemacht ist. Es gibt mehrere mögliche Gründe für Namensänderungen: Gesellschaftsrechtliche Veränderungen, Umorganisationen und Aquisitionen, der Wunsch nach einem anderen Firmenimage, irgendetwas wird eines Tages dazu führen, daß unsere Firma einen neuen Namen erhält. Für diesen Fall möchte ich meinen bescheidenen, aber deshalb nicht weniger dringlichen Wunsch anmelden:

Machts kurz!

(Lübbert Kok, 1987)