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Friedrich Schiller

Wenn Friedrich Schiller, der bedeutendste deutsche Dramatiker, seine Sturm- und Drang-Periode heute erlebt hätte, er hätte bestimmt den heuchlerischen und halbherzigen Umgang der Menschheit mit den selbstgeschaffenen Umweltbedrohungen in einem aufrüttelnden Drama behandelt.

Der nebenstehende, leicht abgewandelte Auftritt des Karl Moor aus dem Drama "Die Räuber" vermittelt eine Ahnung davon:

Die Umwelt-Räuber

21.März 2008  | Kommentieren
(frei nach Friedrich Schiller)

MOOR tritt herein in wilder Bewegung und läuft heftig im Zimmer auf und nieder, mit sich selber.
Menschen! - Menschen? Falsche, heuchlerische Krokodilbrut! Ihre Augen sind Wasser! Ihre Herzen sind Braunkohle! Nachhaltigkeit auf den Lippen! Freie Mobilität im Busen!
Löwen und Leoparden füttern ihre Jungen, Raben tischen ihren Kleinen auf dem Aas, und sie, diese Kreaturen - Bosheit hab ich dulden gelernt, kann dazu lächeln, wenn mein erboster Feind mir mein eigen Herzblut zutrinkt - aber wenn Umweltpolitik zur Verräterin, wenn Nachhaltigkeit zur Heuchelei wird, o so fange Feuer, männliche Gelassenheit, verwildere zum Tiger, sanftmütiges Lamm, und jede Faser recke sich auf zu Grimm und Verderben.

ROLLER. Höre, Moor! Was denkst du davon? Ein Aktivistenleben ist doch auch besser, als weiter als brave Bürger den Müll sortieren?

MOOR. Warum ist dieser Geist nicht in einen Tiger gefahren, der sein wütendes Gebiß in Menschenfleisch haut? Ist das Gerechtigkeit für unsere Nachkommen? Ist das Fürsorge für unsere Kinder? Ich möchte ein Bär sein, und die Bären des Nordlands wider dies mörderische Geschlecht anhetzen - klare Fakten, und keine Einsicht! - Oh ich möchte den Ozean vergiften, wenn sie es nicht schon selber täten, daß sie den Tod aus allen Quellen saufen! Vertrauen, unbegrenzte Zuversicht zu menschlicher Vernunft, und keine Konsequenzen!

ROLLER. So höre doch, Moor, was ich dir sage!

MOOR. Es ist unglaublich, es ist ein Traum, eine Täuschung - So klare Anzeichen, so eindeutige Untersuchungsergebnisse - die unvernünftige Bestie würde innehalten! Steine würden sich erweichen, und doch - die boshafteste Darstellung des Menschengeschlechtes kann mit ihrer Realität nicht mithalten - und doch, doch - oh, daß ich durch die ganze Natur das Horn des Aufruhrs blasen könnte, Luft, Erde und Meer wider das Hyänengezücht ins Treffen zu führen!

GRIMM. Höre doch, höre! vor Rasen hörst du ja nicht.

MOOR. Weg, weg von mir! Ist dein Name nicht Mensch? Hat dich das Weib nicht geboren? - Aus meinen Augen, du mit dem Menschengesicht! - Ich habe so unverbrüchlich an die menschliche Vernunft geglaubt! so vertraute kein Sohn seinem Vater, ich hätte mich mit allen Kräften für die Zukunft der Menschheit eingesetzt -
Schäumend auf die Erde stampfend.
Ha! wer mir itzt ein Schwert in die Hand gäb, dieser Otterbrut eine brennende Wunde zu versetzen! wer mir sagte, wo ich das Herz ihres verantwortungslosen Taktierens erzielen, zermalmen, zernichten - er sei mein Freund, mein Engel, mein Gott - ich will ihn anbeten!

ROLLER. Eben diese Freunde wollen ja wir sein, laß dich doch weisen!

SCHWARZ. Komm mit uns in die Protest-Szene! Wir wollen eine Umwelt-Aktivisten-Bewegung sammeln, und du -
Moor stiert ihn an.
SCHWEIZER. Du sollst unser Commandante sein! du mußt unser Sprecher sein!

MOOR. Wer blies dir das Wort ein? Höre, Kerl!
Indem er Schwarzen hart ergreift.
Das hast du nicht aus deiner Menschenseele hervorgeholt! Wer blies dir das Wort ein? Ja, bei dem tausendarmigen Tod! das wollen wir, das müssen wir! Der Gedanke verdient Vergötterung - Prostest-Aktivisten ohne bürgerliche Rücksichten! - So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Commandante!

ALLE mit lärmendem Geschrei. Es lebe unser Commandante!

MOOR. Siehe, da fällts wie der Star von meinen Augen! was für ein Tor ich war, daß ich zu intelligenten Lösungen und Modellrechnungen zurückwollte! - Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit, - Aktivisten, Verkünder der Apokalypse! - mit diesem Wort sind die bürgerlichen Gesetze unter meine Füße gerollt - Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, da ich an Menschheit appellierte, weg dann von mir Sympathie und menschliche Schonung! - Ich habe kein Vaterland mehr, ich habe keine Rücksicht mehr, und Protest und Auflehnung soll mich vergessen lehren, daß mir jemals etwas teuer war! Kommt, kommt! - Oh ich will mir eine fürchterliche Beschäftigung machen - es bleibt dabei, ich bin euer Commandante! Und Glück zu dem Meister unter euch, der am rücksichtslosesten protestiert, am gräßlichsten den kommenden Untergang der Menschheit ausmalt, denn ich sage euch, er soll belohnet werden - tretet her um mich ein jeder und schwöret mir Treu und Gehorsam zu bis in unser aller Untergang! - schwört mir das bei dieser männlichen Rechte!

ALLE geben ihm die Hand. Wir schwören dir Treu und Gehorsam bis zum Untergang der Menschheit!

MOOR. Nun, und bei dieser männlichen Rechte! schwör ich euch hier, treu und standhaft euer Commandante zu bleiben bis in die Katastrophe! Den soll die tiefste Verachtung strafen, der jemals zagt oder zweifelt oder zurücktritt! Ein Gleiches widerfahre mir von jedem unter euch, wenn ich meinen Schwur verletze! Seid ihrs zufrieden?

ALLE mit aufgeworfenen Hüten. Wir sinds zufrieden.

MOOR. Nun dann, so laßt uns gehn! Fürchtet euch nicht vor Gefahren, denn die Menschheit hat sowieso nichts mehr zu verlieren! Jeden ereilet endlich sein Tag, es sei auf dem weichen Kissen von Flaum, oder im rauhen Gewühl des Protests, oder in Orkan und Überflutung oder im Abfall und Gift! Eins davon ist unser Schicksal!

Sie gehen ab.

[Ursprungstext: Friedrich Schiller: Die Räuber, 1. Akt, 2. Szene
Bearbeitung: Lübbert Kok (2008)]